Déesse de l’Est

M

Citroën DS 21

  • Baujahr: 1967
  • 4 Zylinder
  • 2.175 ccm
  • 104 PS
  • 175 km/h

50.000 



    Als die Déesse (französisch für Göttin) auf dem Pariser Autosalon 1955 vorgestellt wurde, titelte l’auto-journal mit der Schlagzeile „Die Bombe ist geplatzt!“. Und was für eine Bombe, denn zum Ende des Salons konnte man über 80.000 unterschriebene Kaufverträge vorweisen! Zurückgerechnet auf die Öffnungszeit des Salons hat durchschnittlich statistisch alle zwei Sekunden ein Kunde einen Kaufvertrag unterschrieben! Allein das ist eine Meisterleistung des Teams am Stand von Citroën. Der Preis der DS betrug 940.000 Francs und zu Vertragsabschluss musste eine Anzahlung von 80.000 Francs geleistet werden. Nie war ein Auto bei seiner Präsentation so begehrt, trotz des eher hohen Preises. Durch eine heutige Marktforschung wird so einen Erfolg wahrscheinlich nie wieder zustande kommen – gut, dass die DS ohne eine solche auskommen musste! Aerodynamische Form, Hochdruckhydraulik mit 150 bar für Federung, Lenkung, Bremse und halbautomatisches Getriebe, Scheibenbremsen vorne, Frontantrieb, Kunststoffdach, Aluminiummotorhaube, rahmenlose Türen, Reserverad im Motorraum, Einspeichensicherheitslenkrad und ab 1967 Kurvenlicht – die Liste der Innovationen kann noch um viele Details fortgeführt werden. Die DS war wohl der größte Innovationsschritt im Automobilbau, lediglich ein Tesla erscheint uns heute als ähnlich Fortschrittlich. Flaminio Bertoni zieht mit der DS endgültig in den Olymp der Designer. Eine Zeitung schreibt: „Ein Genie dieser Reichweite wird im Automobilbereich für immer seinesgleichen suchen.“ Im Spiegel in Deutschland berichtet Alexander Spoerl 1957 derart begeistert, dass sein Bericht  zu einem journalistischen Schmankerl höchster Güte wird. Citroën wird vom Erfolg fast überrannt und kann die ersten Autos erst nach 12 bis 18 Monaten ausliefern. Wer nicht in den ersten Tagen bestellt hatte, musste noch länger warten. In knapp zwanzig Jahren Bauzeit konnten 1.455.746 Exemplare dieses Modells verkauft werden.

    Diese DS ist nicht nur in einem fast perfektem Zustand, der einer echten Eins sehr nahe kommt, sondern sie hat auch eine ganz besondere Geschichte. Es handelt sich um eine der sieben DS, die in der DDR zugelassen war. Wir kennen das Auto seit 2013, als es ein Polizist aus Brandenburg wegen seiner einmaligen Geschichte gekauft hatte und uns zur Restaurierung überlassen hatte. Da unsere Auftragsbücher voll waren, hatten wir den Wagen, in Absprache mit dem Kunden, zu einem uns sehr gut bekanntem Partnerbetrieb in Polen gebracht. Dort werden ausschließlich Citroën DS und Volvo P1800 restauriert. Wir haben die Restaurierung federführend begleitet und uns um die Ersatzteilversorgung gekümmert. Das Fahrzeug wurde nicht nur total zerlegt, sondern es wurden sogar die A- und B-Säulen, sowie der Dachrahmen abgeschnitten, durch neue Originalreparaturbleche wieder zusammengeschweißt und komplett erneuert. Das Auto wurde als DS Confort mit halbautomatischem Getriebe aus dem Baujahr 1967, aber dem Modelljahr 1968 aufgebaut. Als Motor wurde ein DX 2 mit 2,1 Liter aus einer DS 21 verwendet. Dieser Motor wurde unter anderem mit neuen Kolben und Zylinderlaufbuchsen versehen, also genauso umfangreich restauriert wie das Fahrzeug im Ganzen. Fast die gesamte Technik des Fahrzeuges wurde unter Verwendung von Neuteilen restauriert. Als Farbtöne wurden bleu d’orient AC 616 und gris argent AC 141 für das Dach gewählt und die Innenausstattung wurde mit schwarzem Leder und rotem Teppich vervollständigt. Das Auto wurde als DS Confort des Modelljahrs 1968 aufgebaut, weil das Auto genauso daherkam und die alten Papiere der DDR den 01.07.1967 als geschätzte Erstzulassung auswiesen. Diese Daten wurden jedoch von der DDR geschätzt und die Papiere 1977 ausgestellt. Nach allem was bekannt ist, wurde das Auto 1977 aus der Transitstrecke zwischen der alten Bundesrepublik und West-Berlin von der DDR konfisziert. Warum ist nicht bekannt, aber es ist anzunehmen, dass der frühere Besitzer etwas schmuggeln wollte. Die DDR hatte nun das Auto aber keine Papiere und daher wurden die Daten für die neu ausgestellten DDR-Papiere geschätzt. Als das Auto 2013 vom letzten Besitzer gekauft wurde entsprach es mit Kurvenlicht und ‘68er Armaturenbrett einer ‘68er DS Confort. Erst während der Restaurierung kam von Citroën das Attestation, welches das Fahrzeug als am 14.03.1967 ausgelieferte DS 19 Pallas mit halbautomatischem Getriebe ausweist. Da war es jedoch schon zu spät und so wurde das Auto als ‘68er DS 21 Confort mit halbautomatischem Getriebe fertiggestellt. Lediglich die B- und C-Säulenverkleidungen entsprechen der Pallas-Ausstattung, weil diese dem Auftraggeber besser gefielen. Entstanden ist jedenfalls ein als fast perfekt zu bezeichnendes Auto. Die Geschichte dieser Déesse ist jedenfalls fantastisch und vielleicht klärt sich ja irgendwann auch mal der Werdegang des Autos bis zur Erstellung der noch vorhandenen DDR-Papiere am 27.06.1977. Der ehemalige Polizist ist nun im Ruhestand und hat die Präferenzen seines Lebens neu geordnet und uns das Auto zur Vermarktung überlassen. Bei der Restaurierung 2014 hatten wir den Tachostand auf Null gesetzt und heute zeigt das Tachometer 7.911 Kilometer an. Seit der Fertigstellung wurden also nur etwas über 1.000 Kilometer im Jahr mit dem Auto gefahren und keiner dieser Kilometer wurde im Regen zurückgelegt. Das Auto wurde in dieser Zeit vorbildlich gepflegt und gewartet und befindet sich immer noch im fast Neuzustand. Eine Göttin des Ostens – Déesse de l’Est.

    Die Dokumentation der Restaurierung umfasst 376 Fotos.

    Teilen Sie diesen Beitrag

    Auf Wunsch können wir Ihnen für das erste Jahr nach Erwerb Ihres Oldtimers eine Reparaturversicherung anbieten. 
    Details finden Sie hier.