Dornröschen

M

Citroën 2 CV 4 x 4 Bimoteur (Sahara)

  • Baujahr: 1961
  • 2 x 2 Zylinder 
  • 2 x 425 ccm
  • 2 x 12 = 24 PS
  • 80 km/h

80.000 

Pierre Michelin hatte 1935, nach dem Tod des Firmengründers André Citroën, die Leitung der Firma Citroën übernommen. Um das Unternehmen wirtschaftlich auf gesündere Beine zu stellen, begann man mit der Entwicklung des TPV, des Toute Petite Voiture (französisch für das ganz kleine Auto). Um den Sinn des Projekts klar zu stellen, sprach man intern vom Regenschirm mit vier Rädern, mit dem man vier Personen und einen Korb Eier durch die Lande fahren sollte. Damit war klar, dass es sich um ein extrem günstiges Fahrzeug handeln sollte, das vier Personen und etwas Gepäck und einen Korb rohe Eier so bequem transportieren kann, dass die Eier auch heil am Ziel ankommen. Die Idee des Fahrzeugs stammt von Pierre Boulanger, für die technische Entwicklung war André Lebèvre verantwortlich, der bereits den legendären Traction Avant (Gangster Limousine) entwickelte. Das Design schuf Flaminio Bertoni, der ebenfalls Chefstylist des Traction Avant war. Der TPV wurde 1939 der Öffentlichkeit vorgestellt, aber aufgrund des Kriegsausbruchs musste der Serienanlauf bis 1948 verschoben werden. Bis 1990 wurden knapp 3,9 Millionen Exemplare produziert. 1957 baute sich Jules Bonafous, ein Citroën Kunde, einen extrem geländegängigen 2CV. Er kaufte sich zu seinem 2CV einen zusätzlichen Motor mit komplettem Antriebsstrang und baute diesen Antriebsstrang rückwärts, anstatt der normalen Hinterachse, ins Heck ein. Er schuf somit ein Allradfahrzeug, dessen beide Achsen von je einem Motor ohne jegliche mechanische Verbindung angetrieben wurden. Das Gaspedal bediente die Vergaser beider Motoren, der Schalthebel betätigte über ein Gestänge beide Getriebe und die beiden Kupplungen wurden über ein normales Kupplungspedal hydraulisch betätigt. Das bekam André Costa, ein Citroën Mitarbeiter zu sehen, fuhr damit, war begeistert und schaffte es, die Entwicklungsabteilung von Citroën zur Entwicklung einer Kleinserie zu überreden. 1958 und 1959 wurden zwei Prototypen gefertigt und am 01.09.1960 begann die Serienproduktion des nun Citroën 2CV AW 4 x 4 genannten Fahrzeuges. Die zeitweise auch Bimoteur genannte Ente erwies sich als extrem geländegängig und vor allem als ideales Wüstenfahrzeug. Die 2 CV Bimoteur war viel leichter als andere Geländewagen, sank weniger in den Sand ein und ermöglichte trotz der bescheidenen zwei 12PS Motoren, eine Steigfähigkeit von 100 % Steigung, was einem Steigungswinkel von 45° entspricht. Aufgrund ihrer Wüstentauglichkeit wurde das Auto im Volksmund schnell 2CV Sahara genannt. Bis zum Produktionsende der „Sahara“ am 29.03.1967 wurden insgesamt 693 Serienfahrzeuge plus die ersten vier Prototypen gebaut. 1971 wurde auf den speziellen Wunsch eines finanzkräftigen Kunden nochmal ein Exemplar gebaut. Trotz einer Serienproduktion von nur 694 Fahrzeugen (inkl. des ‘71er-Autos) enden die Seriennummern bei 791, ganz einfach, weil Citroën jedes Kalenderjahr mit einer neuen „Losnummer“ neu begonnen hat. Eine Auflistung aller Nummern haben wir vorrätig.

Bei dieser 2 CV Sahara handelt es sich um genau das Auto, mit dem Citroën das Modell Sahara 1961 der deutschen Presse vorstellte. Das Auto wurde am 13.04.1961 auf Citroën Deutschland mit dem Kennzeichen K – NN 175 zugelassen. Bereits für die damalige Zulassung in Deutschland musste das Auto, abweichend zur laufenden Produktion in Paris, mit Blinkern vorne und Rückleuchten mit integrierten Blinkern versehen werden. Die Autos aus der Produktion verfügten lediglich über Blinker in den C-Säulen. In den Jahren 1961 und 1962 wurde das Auto diversen Fachzeitschriften wie z. B. der Zeitschrift Hobby und der Popular Mechanics, einem damals in deutscher, englischer und französischer Sprache erschienenen Magazin für Testberichte zur Verfügung gestellt. Ein Zeitzeuge dieser Tests ist der ehemalige Presseattaché der Citroën Deutschland AG und Autor vieler Citroën Fachbücher, Immo Mikloweit. Herr Mikloweit war in seiner beruflichen Laufbahn bei Citroën anfangs als Mechaniker, dann als Meister, Leiter der Fahrzeugabnahme und letztendlich als Presseattaché tätig. Aktuell verwaltet er als Archivar sicherlich eine der größten Sammlungen historischer Dokumente der Marke Citroën. Immo Mikloweit berichtete davon, dass im Rahmen einer Testfahrt mit dieser Sahara-Ente das Fahrzeug derart stark im Gelände bewegt wurde, dass es zu einem Rahmenbruch kam und dieser ausgetauscht werden musste. Beim Austausch des Fahrgestells hatte er damals mitgewirkt. Auch an anderen Arbeiten, die in Verbindung mit den Testfahrten und Testberichten an diesem Fahrzeug erforderlich waren, war Herr Mikloweit beteiligt.

Was dann bis 1971 mit dem Auto passierte, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Am 30.09.1971 wurde es dann auf einen Parkhaus-Gesellschafter in Nürnberg zugelassen. Danach gab es drei Besitzerwechsel und am 19.10.1987 wurde das Auto in Ludwigsburg stillgelegt und im Garten seines Anwesens abgestellt. Bis 2014 stand das Auto in diesem Garten unter freiem Himmel! Während dieser Zeit ist die Ente fast zerfallen, sie wurde gewissermaßen gerade noch vor dem völligen Zerfall gerettet. 2014 wurde das Auto von einem Herrn aus Mainz geborgen und dieser hatte es, so wie vorgefunden, in seine Citroën-Sammlung gestellt. 2016 wurde das Auto dann auf der Techno Classica in Essen ausgestellt und wandere dann wieder in die Sammlung zurück. Das Auto ist zwar völlig kaputt und verrostet, aber vollständig und ein einzigartiges Zeitdokument. Man kann im Prinzip alles wieder restaurieren, aber diese Sahara hat es verdient, so wie sie ist, in eine neue Sammlung integriert zu werden. Ein Wiederaufbau macht wirtschaftlich sicher keinen Sinn und daher sehen wir diese Sahara als Kunstobjekt und verkaufen sie auch als solches in Liebhaberhände. Immo Mikloweit ist auch ein Freund unseres Hauses und kommt am 20.08.2022 zu uns nach Berlin. Mal sehen, was er zu dem Auto aus seiner Jugend sagt?

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