Pas d’Électronique

M

Citroën 11 BN

  • Baujahr: 1956
  • 4 Zylinder
  • 1.911 ccm
  • 60 PS
  • 120 km/h

27.400 



    Versuche Autos mit Frontantrieb zu bauen, gab es bereits vor dem 1. Weltkrieg. Nur hatte die Umsetzung in großer Stückzahl nie geklappt, denn Vorderräder geben ja nun mal die Fahrtrichtung vor und sie neben der Lenkung auch noch mit dem Antrieb zu versehen, konnte lange Zeit nicht zuverlässig gelöst werden. Hans Gustav Röhr ging 1931, nach dem Konkurs seiner Röhr Fahrzeugwerke in Darmstadt, zu Adler nach Frankfurt am Main. Hier verbesserte er den Frontantrieb derart, dass Adler 1932 das neue Modell Trumpf mit Frontantrieb ausstattete. Von dem neuen Adler-Wagen inspiriert bekommt Röhr daraufhin Besuch von Gustave Baehr aus Frankreich und nun geht die Nachricht rum wie ein Lauffeuer. Gustave Baehr berichtet Lucien Rosengart, selbst Hersteller von Automobilen in Paris, vom – wie er ihn nennt – „Röhr-Wagen“. Zur Demonstration für Lucien Rosengart malt man eine Linie auf den Boden und Lucien Rosengart soll nun zuerst eine Schubkarre möglichst gerade über diese Linie schieben und danach dieselbe Schubkarre über diese Linie hinter sich herziehen. Das Experiment ist so verblüffend, dass Rosengart sofort überzeugt ist und die französischen Vertriebsrechte für den Adlerwagen kauft. Jedoch fehlt ihm das Geld für die Entwicklung des Autos und so berichtet er seinem Freund André Citroën von dem Projekt. Mit einem Prototyp fährt man bei heftigem Regenwetter durch die aufgeweichten schlammigen Wege des Pariser Park Bois de Bologne. André Citroën ist begeistert und integriert den Frontantrieb in das Konzept für ein revolutionäres neues Auto, welches 1934 als 7 CV und 11 CV, bzw. besser bekannt als Traction Avant (Frontantrieb) auf den Markt kommt. Der Traction Avant bietet außer dem Frontantrieb noch viel mehr Innovationen, wie z.B. eine selbsttragende Ganzstahlkarosserie, hydraulische Bremsen, ein synchronisiertes Getriebe und ein Fahrwerk, welches ein sensationelles Fahrverhalten bietet. Außerdem verfügt die recht niedrige Limousine über einen sehr tiefen Schwerpunkt und verzichtet auf die üblichen Trittbretter. Die Entwicklungskosten des Traction Avant zwingen André Citroën jedoch dazu seine Firma 1935 an Michelin zu verkaufen, was ihm das Herz bricht. Er stirbt am 03.07.1935 und kann daher den unglaublichen Erfolg des Traction Avant, von dem bis 1957 758.858 Stück gebaut werden, nicht mehr miterleben.

    Diesen sehr späten Traction mit Erstzulassung vom 01.01.1956 haben wir von einem „Tractionist“ aus Berlin, einem Franzosen der seit Jahrzehnten in Berlin lebt und dessen Hobby speziell das Modell 11 CV ist. Er kennt jede sprichwörtliche Schraube dieser Autos und verfügt über ein Lager guter Ersatzteile, die er ausschließlich für seine Autos verwendet. Neben seinen eigenen Tractions überarbeitet er ab und zu Autos und hin und wieder kommen wir in den Genuss eines seiner großartig fahrenden Fahrzeuge verkaufen zu dürfen. Genau diesen Wagen hatte er ausgesucht, weil keinerlei Spuren von irgendwelchen Schweißarbeiten ausfindig zu machen sind. Er hatte das Auto am 06.05.2014 in Saint-Jean-d’Illac, westlich von Bordeaux, gekauft. Bis 1999 soll das Auto in erster Hand gewesen sein, worüber es aber keine Nachweise gibt. Vieles an dem Auto befindet sich noch im Originalzustand, oder wurde sehr stilsicher fachlich korrekt aufgearbeitet. So wurden z.B. die Stoffbezüge der Sitze offenbar schon mal erneuert, aber nur der Stoff, denn die Kunstlederpartien der Sitze sind noch original. Wenn man ganz genau hinsieht kann man erkennen, dass die Nähte zwischen Kunstleder und Stoff erneuert wurden. Die Karosserie war bereits vor 2014 äußerlich neu lackiert worden und unser Tractionist hat anschließend die gesamte Technik des Autos in einwandfreiem Zustand versetzt. Motor, Getriebe, Kupplung, Antriebswellen, Kühlung, Elektrik, Bremsen und Fahrwerk funktionieren so gut, dass man auf den ersten Metern sofort nachvollziehen kann, warum diese Autos zu ihrer Zeit so legendär waren. Der Dachhimmel wurde ebenfalls erneuert, was, wenn man es richtig macht, eine der aufwändigsten Restaurierungsarbeiten bei diesem Modell ist. Der originale 11 D-Motor wurde durch einen Perfo-Motor der Modelljahre 1953 bis 1955 ersetzt. Dieser Motor wurde so gut aufgearbeitet, dass die Kompressionswerte alle bei 8,5 bar liegen. Da diese niedrig verdichteten Motoren üblicherweise mit Kompressionswerten zwischen 6 und 7 bar arbeiten kann man hier von einem deutlichen Leistungsplus ausgehen. Unser Preis versteht sich inklusive einer großen Inspektion, einer neuen Hauptuntersuchung und einem H-Gutachten. Wenn Sie einen Oldtimer suchen, der eine „richtig alte“ Ausstrahlung hat, dessen Ersatzteilversorgung gut ist und der über ein völlig unproblematisches Fahrverhalten verfügt, kommen Sie an einem Traction kaum vorbei. Außerdem fahren Sie völlig ohne jede Elektronik – Pas d’Electronique.

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    Auf Wunsch können wir Ihnen für das erste Jahr nach Erwerb Ihres Oldtimers eine Reparaturversicherung anbieten. 
    Details finden Sie hier.